Mai 30, 2016

0 Kommentare


#5/2016: Warum Peru?

Heute ist es an der Zeit, euch von jenem Projekt zu erzählen, das mich nun schon seit eineinhalb Jahren so sehr in den Bann zieht: DiaManta von von Solid Peru. Hier arbeiten, plaudern und stricken ca. 170 Frauen. Die „Mamas“ haben eine Fixanstellung, fairen Lohn und bei Bedarf auch Kinderbetreuung und div. Sozialleistungen.

Bei DiaManta werden junge Mütter im Alter zwischen 13 und 17 Jahren unterstützt, um im Leben wieder Fuß fassen zu können. Um nachhaltige Hilfe zu leisten, bekommen sie neben dem Arbeitsplatz auch Zugang zu Bildungsmaßnahmen, Ernährungsschulungen und wenn gewünscht auch psychologische Hilfe. Die jungen Mamas sind aber auch manchmal einfach Jugendliche mit einer Menge Emotionen im Gepäck, deshalb gibt es bei der Arbeit Unterstützung von erfahrene Strick-Mamas.

Eine dauerhafte Beschäftigung ist nicht einfach zu finden, bringt aber für die Frauen immense Verbesserungen. Sie können ihre Kinder in die Schule schicken, ihre Rechnungen bezahlen und genug Lebensmittel für ihre Familien kaufen. Es bringt aber auch ein Stück Unabhängigkeit und Freiheit.

Das Strickprojekt ist für die Hilfsorganisation die Haupteinnahmequelle und finanziert diverse Projekte in der Region Ayacucho, einer der ärmsten Regionen Perus. Es gibt beispielsweise ein Projekt, um den Aufbau biologischer Landwirtschaft im Quinoa- und Avocado-Anbau zu fördern. In einem weiteren Projekt wird an der Verbesserung der Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung mit geringem Einkommen gearbeitet. Sauberes Trinkwasser, ausreichend Lebensmittel und gesunde Ernährung sowie Sauberkeit und Hygiene sind hier das Ziel.

Vor 1,5 Jahren stand ich vor der Entscheidung, wie es mit Beanie.at weiter gehen sollte. Das Stricken ohne maschinelle Fertigung – also in reiner Handarbeit wollte ich unbedingt beibehalten, eine Billiglohn-Schiene kam jedoch für mich nicht in Frage. Die Produktion funktioniert hier Hand in Hand, fair und nachhaltig. Zusammengefasst sind es nun drei Säulen, auf die ich baue: Die faire Produktion, die reine Handarbeit und die Verwendung von Baby-Alpaka Wolle.

Bis bald & liebe Grüße morgen vom letzten Tag in Ayacucho!

Susi

#4/2016: Es gibt sie also wirklich: Zuckersüße Baby-Alpakas!

Ich konnte bis jetzt Susis unglaubliche Begeisterung an Alpakas nicht unbedingt teilen, weil ich sie ganz im Gegenteil zu ihr weder süß, elegant oder ästhetisch empfunden habe. Mein Bild vom typischen Alpaka entsprach ungefähr diesem:

Heute besuchten wir den Alpaka-Bauern Marcello, der sich in Santa Fe auf 4.500m Seehöhe um ca. 50 Alpakas kümmert. Wir durften den sehr zuvorkommenden und sympathischen Peruaner bei seiner Arbeit begleiten.

Dort sah ich sie... in den kargen Hochländern der peruanischen Anden. Es muss ein Alpaka-Mädchen gewesen sein, denn so viel Eleganz, Schönheit und Vollkommenheit könnte ich mir anders nicht erklären.

Wenn man sich dieses süße Tier nun ansieht, kann man sich gut vorstellen, wie flauschig, weich und seidig Susis Kleidungsstücke sind. Denn sie verwendet für ihre Mode ausschließlich die Wolle dieser Tiere.

Aufgrund meines aufkeimenden Interesses an Baby-Alpakas weiß ich inzwischen, dass deren Wolle feiner und exklusiver als Kaschmir, für Allergiker unproblematisch und sowohl wärme- als auch kälteregulierend ist. Deswegen tragen in den Hochländern der südamrikanischen Anden sehr viele Menschen auch im Sommer Kleidung aus Alpakawolle.

Abschließend bedanke ich mich bei allen, die für mein süßes Baby-Alpaka auf Facebook gevotet haben. Morgen gibt´s dann wieder einen seriösen Beitrag von Susi über den Alpaka Hirten Marcello und seine Arbeit.

Liebe Grüße aus Peru, euer Lefti!

#3/2016: Zu Besuch bei den Mamas!

Es ist ein schönes Gefühl, die Mamas wieder zu sehen – mit guten Neuigkeiten in Gepäck: denn das Projekt Beanie.at *fairknits* geht in die zweite Winter-Runde! Nicht nur meine Augen strahlen, denn jedes Produkte ist etwas Besonderes und hat eine Geschichte. Am Beispiel von Euphemia, Dometila und Nancy will ich euch heute davon erzählen. Lefti und ich waren eingeladen und konnten heute drei Strickerinnen zu Hause besuchen.

Mama Euphemia ist Witwe und lebt mit ihren vier Kindern in einem kleinen Steinhäuschen am Stadtrand von Ayacucho. Als sie vier Jahre alt war, lernte sie das Stricken. Der sichere und fair entlohnte Arbeitsplatz macht sie finanziell unabhängig und ermöglicht ihren vier Kindern eine gute Schulbildung.

Mama Nancy liebt Blumen und strahlt, als sie uns die Türe öffnet. Sie serviert uns Erdäpfel und Käse, ihr typisches Frühstück. Nancy ist eine begabte Strickerin und zeigt uns stolz ihren Arbeitsraum mit dem Tisch zum Messen der Produkte.

Mama Dometila strickt in ihrem Strickzimmer am Dach ihres Hauses als wir sie besuchen. Der Raum wurde eingerichtet, um die Wolle vor Staub und Küchengerüchen zu schützen. Dometila bevorzugt es, zu Hause zu stricken. Einmal am Tag geht sie zur Qualitätskontrolle in die Stadt.

Wer weiß die Geschichte hinter den T-Shirts und Pullis, die wir tragen? Die Geschichte hinter meinen Produkten erzähle ich aber gerne. Die schön gestrickte, weiche Mütze, sie sichert einen fair entlohnten Arbeitsplatz für Mama Nancy, Mama Euphemia und Mama Dometila. Sie bringen all ihr Handwerksgeschick, ihr Herz und ihre Erfahrung ein um wunderbare Mützen, Stirnbänder und Ponchos zu stricken. Denkt also das nächste Mal ganz fest an die vielen Handgriffe, den Strickraum mit Sicht über die Dächer Ayacuchos und die stolzen, unabhängigen Frauen in Peru.

Alles Liebe und bis bald - das nächste Mal einem Bericht vom Baby-Alpaka Kuscheln :)
Susi

#2/2016: Lefti schreibt

So liebe Susi Fans, ich muss euch enttäuschen! Susi hat heute den ganzen Tag mit den Mamas hart gearbeitet und träumt nun schon von weichen Baby-Alpakas ... So werde ich euch nun vom heutigen Tag berichten:

Heute besuchten wir die Hilfsorganisation, wo Susi und die Mamas den Prototypen der kommenden Winterkollektion den letzten Schliff gaben. Ich jedoch fand den Kindergarten gleich nebenan viel interessanter! Dort werden die Kinder der Strickerinnen betreut und auf die Schule vorbereitet. Ich, „Senior Gringo“, hab mich sofort mit den Kindern gut verstanden und das, ohne ein einziges Wort Spanisch oder Quechua zu verstehen. Kinder sprechen offenbar doch eine gemeinsame Sprache!

Ich bin begeistert, in welch toller Atmosphäre die Kinder in der Nähe ihrer arbeitenden Mamas betreut und unterrichtet werden. Dies ist sicherlich ein maßgeblicher Grund für dieses unglaublich positive Arbeitsklima.

Am Nachmittag konnten wir noch in einem Museum die Kunst eines örtlichen Webers bewundern, der aus Alpakawolle und natürlichen Farbstoffen einzigartige Wandteppiche fertigt. Morgen ist dann Susi hoffentlich wieder ausgeschlafen, sodass sie euch von unserem Besuch bei den Familien der Strickerinnen erzählen kann.

Mai 25, 2016

2 Kommentare

FW16/17 ›   Peru ›   Reise ›  


#1/2016: Die Anden, unendliche Weiten...

Wir schreiben das Jahr 2016.
Computer-Blog-Buch #2.1 der Entrepreneuse Susi

Dies sind die Abenteuer der jungen Entrepreneuse Susi und Commander Leftennend, die ihre 200 Frauen starke Strick-Besatzung zwei Wochen lang besuchen, um die Hochkultur der Strickkunst Südamerikas zu erkunden. Viele Flugmeilen von Europa entfernt will die Entrepreneuse ihre Ideen mit dem Handwerksgeschick peruanischer Strickerinnen vereinen, sodass einzigartige, faire Mode entstehen möge, die noch kein Mensch zuvor gesehen hat. ;)

Spaß beiseite! Ich bin hier mit meinem Schwager, dem Fotografen Lefti, um mein Projekt von fairer und sozialer Mode dank dem großen Erfolg im letzten Jahr zu erweitern. Unser Ziel: Ayacucho. Die kleine Stadt liegt in den östlichen Ausläufern der Anden auf einer Höhe von knapp 3.000 m über dem Meeresspiegel.

Auf unserem Weg dorthin blieb aber genug Zeit, um bei einem Zwischenstopp in Lima die Freuden der peruanischen Küche zu geniessen. An der eindrucksvollen Pazifikküste schmieden wir bei einem fabelhaften Ceviche Pläne für die kommenden Tage...

Einen etwas holprigen Flug später sitzen wir nun am Hauptplatz Ayacuchos und bereiten uns auf morgen vor. Es fühlt sich an wie Urlaub – vor uns liegt aber eine interessante Woche ganz im Zeichen der kommenden Winterkollektion für Beanie.at *fairknits*. Ich kann es kaum erwarten und freue mich auf das morgige Wiedersehen mit meinen Ladies!

Adiós & liebe Grüße!

Tag 9 & 10: ...und der Countdown läuft!

Mit dem Bus ging´s von Ayacucho über ruppige Straßen, 5000m hohe Pässe und geschätzte 10.000 Kurven zurück nach Lima, der letzten Station unserer Reise. Zwei Tage Erholung, Ceviche und Inka-Markt liegen vor uns.

Unser Appartement liegt in einem schönen Herrenhaus im Stil der Jahrhundertwende, umgeben von einem entzückenden Garten. Eine holländische Familie vermietet hier, mitten in Limas modernem Künstlerviertel „Barranco“ Zimmer und Appartements. Das Casa de Leeuw, ein Tipp, den ich nur weiterempfehlen kann!

 

Barranco ist ein hübsch herausgeputzter Künstler-Stadtteil und bekannt durch seine bunten Fassaden. Für uns ist dieses ehemalige Fischerdorf der perfekte Ort, um nochmals wunderschöne Bilder der neuen Beanie.at "Fairknits“-Produkte zu fotografieren, bevor wir schließlich unsere Koffer für die Heimreise packen.

So, meine Lieben, das wird mein letzter Blog-Post dieser Reise sein. Seit Monaten arbeite ich nun an diesem Projekt und an den Vorbereitungen meiner ersten Winterkollektion. In dieser Idee steckt meine  ganze Begeisterung, harte Arbeit und meine volle Überzeugung, dass "faire" Mode möglich ist. Was vor 5 Jahren als Hobby begann, ist inzwischen ein kleine Geschichte rund um Handarbeit, Qualität und "Mode mit Herz".

Ab Anfang Oktober werde ich unter der Marke beanie.at nun zwei Produktlinien anbieten und ich würde mich sehr freuen, wenn ein Teil meiner Begeisterung für exklusive Materialien, Handarbeit und traditionelle Handwerkskunst auf euch überschwappt. Rund die Hälfte wird in Kooperation mit einem fairtrade Sozialprojekt in in Peru (SOLID International) hergestellt, der andere Teil in Zusammenarbeit mit Großmüttern aus dem oberösterreichischen Salzkammergut.

Allen, die daran beteiligt waren möchte ich meinen aufrichtigen Dank aussprechen! Zu allererst meinem Reisebegleiter, Schwager und Fotografen Markus „Lefti“ Frühmann, der mich in diesen interessanten, arbeitsintensiven 12 Tagen begleitet hat. Ohne seine professionelle Arbeit und sein fotografisches Gespür für den richtigen Moment hätten wir von dieser Reise zu den Strickerinnen von Ayacucho nur ein verschwommenes Bild vor Augen und hätte euch nicht so bildhaft berichten können.

Nur noch zwei Monate, dann starten wir los – man kann sagen: Der Countdown läuft :). Ab Oktober 2015 ist mein Onlineshop gefüllt mit fairfashion Produkten aus 100% Baby Alpaka Wolle. Bis dahin versorge ich euch via Facebook, Instagram und Newsletter mit aktuellen Infos zum Projekt! (Wer vorab Infos zum Start will, kann sich hier zum Beanie.at Newsletter anmelden!)

Danke an euch alle, für die vielen positiven Rückmeldungen, für´s fleißige mitfiebern, mitlesen und mithelfen!

Liebe Grüße,
Susi

Juli 28, 2015

0 Kommentare

Fairfashion ›   Fairknits ›   FW 15/16 ›   Peru ›  


Tag 7 u. 8: Adiós, Ayacucho!

Nach einer Arbeitswoche voll mit Terminen, neuen Freunden und gutem Essen starten wir gemeinsam mit den Strick-Mamas ins verlängerte Wochenende. Bereits jetzt ist die Stadt bunt geschmückt. Die Vorbereitung für die kommenden Feiertage laufen auf Hochtouren, denn am 28. und 29. Juli feiert ganz Peru die Unabhängigkeit Spaniens.

Nach einem wunderbaren Essen bei Freunden genossen wir den letzten Abend bei einem erfrischenden Pisco Sour auf dem Balkon unseres Hotels mit Blick über die Plaza de Armas. Es wird uns schwer fallen, von der peruanischen Kulinarik Abschied zu nehmen!

Tags darauf hieß es ein letzes Mal und leider sehr früh: „buenos días, Ayacucho“. Leider meldete  unser Bauch deutlich spürbar, dass irgendetwas gestern nicht in Ordnung war. Ich nehme an, es lag am Cocktail - bestehend aus drei Teile Traubenschnaps, ein Teil Zitronensaft, eine Prise Puderzucker, ein Spritzer Eiweiß (!) und zwei Eiswürfeln. Der Pisco Sour schmeckte zwar grandios, gehört aber zu jenem Teil der peruanischen Kultur, den wir dieser Tage nicht ganz so sehr missen werden :)

Dank Leftis fotografischen Künsten und dem wunderbaren Licht in Ayacuchos Straßen entstanden viele schöne Fotos der kommende Herbst/Winterkollektion für beanie.at „fairknits“. Etwas selbstkritisch würde ich sagen, ich sehe zerknautscht, aber glücklich aus!

Es war eine schöne Zeit und spät abends sagen wir schweren Herzens: "Adiós, Ayacucho!"

Alles Liebe & bis bald aus Lima,

Susi

P.S.: Obwohl ich meinen Koffer „tetris“ packe, ist es fast unmöglich, „das Alpaka“ zu verstauen :)

Tag 6: Strickmamas, Kindsköpfe und die unglaublich positive Atmosphäre dieses Ortes

Heute besuchten wir nochmals die strickenden Mamas bei Manta, um die ersten fertigen Samples meiner Winterkollektion zu sehen. Ich kann es nicht oft genug betonen: ich bin von der Qualität der Arbeit der „Knitting Ladies“ überwältigt. Ich freue mich sehr, euch bald die ersten Fotos meiner Beanie.at „fairknits“ Winterkollektion zeigen zu können, denn die Beanies, das Stirnband, der Schal und der Poncho sind wirklich großartig geworden.

Für nächsten Winter habe ich wunderschöne, klassische Farben ausgesucht. Was aber noch besser ist: Eine der Strick-Ladies brachte mich auf die grossartige Idee, zusätzliche Farbkombinationen zu verarbeiten. So wird es die Beanies nicht nur einfarbig, sondern auch in Schwarz/Weiß und Rot/Sand und Schwarz/Grau geben.

Eigentlich hatte mein Schwager und Fotograf Lefti an jenem Tag die Aufgabe, die Arbeit der Strick-Mamas fotografisch festzuhalten. Seine Aufmerksamkeit galt jedoch eher den vielen Kindern, die zwischen den arbeitenden Frauen herumtollten. Es ist faszinierend, in welch schöner Arbeitsatmosphäre hier Strickwaren hergestellt werden und man merkt schnell, dass die Frauen wirklich gerne hier arbeiten. Viele von ihnen kommen aus sehr ärmlichen Verhältnissen und haben nur schwer die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Vor allem ihr unglaublicher Humor, ihre Fröhlichkeit und Lebensfreude ist inspirierend und so ansteckend!

Solid bietet den Strick-Mamas neben einer sicheren und fair entlohnten Anstellung auch die Möglichkeit der Kinderbetreuung direkt am Arbeitsplatz. Kleinkinder werden im Kindergarten betreut während die größeren nach der Schule bei deren Hausübung Hilfe bekommen. All das führt zu einer so positiven und entspannten und Arbeitsatmosphäre. Die Mamas sitzen entweder in einem größeren Raum oder im Innenhof und stricken, plaudern und scherzen. Zwischen ihnen tollen immer wieder lachende Kinder herum, die Lefti so in den Bann gezogen haben.

Am Ende dieses Tages fiel es uns wirklich schwer, Abschied zu nehmen. Ich wünsche mir sehr, dass meine Idee von Beanie.at „fairknits“ erfolgreich wird, denn dann gibt es vielleicht nächstes Jahr ein Wiedersehen! :)

Alles Liebe,

Susi

Tag 5: ...von weicher Wolle und Mate de Coca

Joris von SOLID Peru besuchte mit uns gemeinsam die Alpaka Farm „Santa Fe“. Dort lebt und arbeitet der Alpacafarmer Marcelo Gandiotti, dessen Frau Nancy bei „MANTA“ im 100 km südwestlichen Ayacucho als Strickerin arbeitet. Da sie ihren Mann nur alle 14 Tage sehen kann, nutzte sie diese Gelegenheit und begleitete uns auf unsere Reise.

Bereits am Weg dorthin war ich begeistert von der abwechslungsreichen Landschaft der peruanischen Anden. Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit auf Asphalt und ruppigen Schotterstraßen erreichen wir schließlich Santa Fe.

Dieses kleine Dorf liegt einsam, ca. eine halbe Stunde Fahrzeit von der nächsten Siedlung entfernt auf 4.300 m Höhe. Die Hütten sind aus Lehm und Stein gebaut, ohne fließendes Wasser und ohne Möglichkeit der Kommunikation zu anderen Dörfern leben die Leute hier sehr bescheiden in dieser schroffen und kargen Landschaft.

Wir werden von dem freundlichen Marcelo begrüßt. Er ist wahrscheinlich ein Peruaner so wie man ihn sich vorstellen würde: Poncho, traditioneller Hut, seine Hände zeugen von harter Arbeit und sein sonnengebräuntes Gesicht ist von einem sympathischen Lächeln stets begleitet.

Endlich durfte ich die Alpacas aus nächster Nähe bewundern. Jetzt kann ich es bestätigen: Baby Alpacas sind wahrscheinlich die süßesten Wesen des Universums (Lefti ist da nicht ganz meiner Meinung, eines hat ihm auch gleich mal auf seine Jacke und die neue Kamera gespuckt) :)

Jetzt woll(t) ihr wahrscheinlich wissen, warum 6 kg Alpakawolle bei mir im Hotelzimmer liegen... Ich durfte nicht nur die knuddeligen Tierchen streicheln, sondern auch zusehen, wie diese hochwertige, flauschige Wolle geschoren wird. Was für ein Erlebnis!

Nach dieser beeindruckenden Erfahrung fuhren wir mit Joris zum nahegelegenen Pass Abra Ritibrata auf 4900m Seehöhe. Auf dem Weg dorthin wurde der sonst eigentlich sehr gesprächige Lefti verdächtig still. Oben angekommen, genießen fast alle die einzigartige Aussicht und das grandiose Bergpanorama. Lefti schoss großartige Bilder, verschwand aber darauf hin schnell wieder im Auto. Auf der Fahrt zurück bemerkte ich erst, wie schlecht es meinem eigentlich sehr sportlichen Reisebegleiter geht. Zurück im Hotel bestellten wir uns – aus rein medizinischen Gründen – Mate de Coca, der glücklicherweise Leftis Gesundheitszustand schnell wieder verbesserte.

Jetzt sitzen wir auf dem gemütlichen Balkon im ViaVia Café und wir enießen das Nationalgetränk Perus, Pisco Sour. Morgen erwartet uns ein weiterer Tag bei den Strickerinnen von MANTA und ich freue mich schon auf die ersten Stücke meiner neuen Winterkollektion! *yay*

Tag 4: Willkommen in der Realität...

Lefti und ich sind nun seit drei Tagen in Ayacucho und es schleichen sich gewisse Gewohnheiten ein. Erstens: Wir sind süchtig nach den frischen „Jugos“ im Café ViaVia Ayacucho und trinken zu jeder Mahlzeit einen dieser Smoothies aus tropischen Früchten. Zweitens: Aufgrund der Zeitverschiebung hat sich noch kein „normaler“ Tagesablauf entwickelt. Wir wachen extrem früh auf und kämpfen noch immer mit der Zeitverschiebung und Drittens: Wir haben uns absolut dem quirligen Straßenverker in Ayacuchos Innenstadt angepasst und sehr schnell unser regelkonformes Fußgängerverhalten über Board geworfen. Man quert die Kreuzung eben dann, wenn man eine Lücke findet. Markus übrigens findet die schneller als die flinken Peruaner und wurde bereits zum frechsten Straßenquerer Ayacuchos gewählt.

Ich sitze also wie jeden Abend im Café und schreibe diesen Blog. Seit gestern fällt es mir aber sehr schwer, die richtigen Worte zu finden. Lieber amüsiere ich euch mit witzigen Nebensächlichkeiten unserer Reise. Worüber ich euch berichten möchte, ist weniger belanglos...

Wie ihr wisst, konnte ich die fleißigen Strickerinnen gestern endlich persönlich treffen: Hübsche, stolze peruanische Frauen und Mütter, die bei der Hilfsorganisation SOLID Peru in den Projekten „MANTA“ & „DIA“ dauerhaft beschäftigt sind und fairen Lohn für ihre Arbeit erhalten. Gestern bekamen wir die Möglichkeit, beide Projekte kennenzulernen und durften nachmittags einige der Damen zu Hause besuchen.

Im Projekt DIA werden junge Mütter zwischen 13 und 17 Jahren unterstützt und betreut, um im Leben wieder Fuß fassen zu können. Um nachhaltige Hilfe zu leisten, bekommen sie Bildung, einen Arbeitsplatz und Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Sie erhalten ebenfalls Hilfe in den Bereichen Psychologie, Krankenpflege, Recht und Geburtshilfe. Wir fuhren gemeinsam mit zwei Sozialarbeiterinnen an den Stadtrand und durften an einer Schulung zum Thema Ernährung teilnehmen. Es ist ein hartes Leben, das diese jungen Mädchen mit ihren Babies hier führen – fernab von neuen Handy-Apps und Freizeittrends.

Hier am Stadtrand von Ayacucho gibt es nur an 2-3 Tagen der Woche fließendes Wasser. Diese sandigen Hänge mit den kleinen Hütten aus Stein oder Lehm sind das Zuhause vieler Familien. So auch für Dometila, eine der begabtesten Strickerinnen bei MANTA. Dometilas Mann arbeitet als Motor-Taxi Fahrer und verdient weniges Soles pro Tag, mal mehr, mal weniger. Sie leben zusammen mit Schwester, Schwager, der kranken Mutter und insg. 6 Kindern in einer kleinen Hütte und es reicht gerade mal für das Nötigste.

Einen Teil des verdienten Geldes spart Dometila jede Woche, um die Lebensumstände für ihre Kinder Dejvis und Noemi und den Rest der Familie zu verbessern. Als wir sie zusammen mit ihrer Sozialarbeiterin besuchen, erzählt sie uns von dem Ziel, das sie zusammen mit ihrer Betreuerin vor drei Monaten vereinbart hat: sie möchte mit dem ersparten Geld ihre Küche erneuern. Stolz zeigt sie uns den Scheck über 600 Soles. Regelmäßig werden von Mitarbeitern der Organisation die vereinbarten Ziele evaluiert und neue Schritte vereinbart, auch das ist Teil der Betreuung. Die Arbeit als Strickerin ist nur ein Baustein im Betreuungssystem von Manta. Dometilas Wunsch für die nächsten drei Monate ist es, Geld für ein paar Hühner und einen eigenen Garten zu sparen, um selbst Gemüse anzubauen.

Es war ein emotionaler und berührender Tag und wir beschlossen, ihn bei einem „Jugo“ Mango, Orange, Chirimoya und Lucuma auf der Terrasse des ViaVia Cafés ausklingen zu lassen.

Morgen berichte ich euch darüber, warum es bei mir im Hotelzimmer so aussieht, als würde am Boden ein ganzes Alpaka liegen und wie es dazu kam, dass wir aus rein medizinischen Gründen Koka-Tee schlürfen mussten... :)

Alles Liebe & buenos noches,

Susi